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Einmalkosten gegen laufende Kosten: die TCO-Sicht

Ein günstiges Geraet mit teurem Abo kann über Jahre teurer sein als eine teure Anschaffung mit niedrigen Fixkosten. Wie du Einmal- und Betriebskosten sauber trennst und die Total Cost of Ownership berechnest.

Mateusz Viola
Mateusz ViolaBetreiber & Tool-Entwickler
Veröffentlicht am ·Zuletzt geprüft am

Als ich diesen Rechner gebaut habe, war der Auslöser eine einzige Beobachtung: Fast jede Preisdiskussion um Kassensysteme dreht sich um die Zahl auf dem Preisschild. Wie teuer ist das Gerät? Was kostet die Anschaffung? Diese Frage ist verständlich, aber sie ist die falsche Frage. Sie blendet den größten Teil dessen aus, was Du über die Jahre tatsächlich bezahlst. Ich möchte Dir in diesem Ratgeber zeigen, warum die Anschaffung oft der kleinste Posten ist und wie Du mit der sogenannten Total Cost of Ownership eine ehrliche Entscheidung triffst.

Zwei Arten von Kosten, die selten zusammen betrachtet werden

Wenn Du ein Kassensystem anschaffst, entstehen grundsätzlich zwei Kostenarten. Die erste sind die Einmalkosten, im betriebswirtschaftlichen Sprachgebrauch oft Capex genannt, also Capital Expenditures. Dazu gehört alles, was Du einmal bezahlst und danach besitzt oder verbraucht hast: die Hardware wie Terminal, Bondrucker, Kassenschublade und Kundendisplay, die Ersteinrichtung, die Datenübernahme aus einem alten System, eine eventuelle Schulung Deines Teams und je nach Anbieter eine Aktivierungsgebühr.

Die zweite Art sind die laufenden Kosten, die Opex, also Operational Expenditures. Das sind die Beträge, die immer wieder fällig werden, solange Du das System betreibst: die monatliche oder jährliche Softwaregebühr, Lizenzen für zusätzliche Kassenplätze, Gebühren für die technische Sicherheitseinrichtung, Support- und Wartungsverträge, Cloud-Speicher und nicht zuletzt die Transaktionsgebühren auf Kartenzahlungen.

Der Denkfehler, der mir am häufigsten begegnet, ist dieser: Die Einmalkosten sind sichtbar, laut und einfach zu vergleichen. Die laufenden Kosten sind leise. Sie tröpfeln monatlich vom Konto und fallen im Alltag kaum auf. Genau deshalb werden sie systematisch unterschätzt. Eine tiefergehende Aufschlüsselung aller Posten findest Du im Überblick über die Kosten eines Kassensystems.

Was Total Cost of Ownership eigentlich bedeutet

Die Total Cost of Ownership, kurz TCO, ist ein Konzept, das ursprünglich aus der IT-Beschaffung stammt und heute in vielen Branchen zur Kaufbewertung genutzt wird. Die Idee ist simpel: Statt nur den Kaufpreis anzuschauen, addierst Du alle Kosten, die über die gesamte Nutzungsdauer eines Produkts anfallen. Für ein Kassensystem heißt das konkret:

TCO = Einmalkosten + (laufende Kosten pro Jahr × Laufzeit in Jahren)

Die Laufzeit ist dabei der entscheidende Hebel, und darauf komme ich gleich noch ausführlich zurück. Denn dieselben zwei Systeme können je nach betrachtetem Zeitraum zu völlig gegensätzlichen Empfehlungen führen. Genau das macht die TCO-Sicht so wertvoll und die reine Preisschild-Sicht so trügerisch.

Warum Du eine Laufzeit festlegen musst

Ohne einen festen Zeitraum ist ein TCO-Vergleich sinnlos. Du musst Dich entscheiden, über welchen Horizont Du rechnest. In der Praxis haben sich drei und fünf Jahre als sinnvolle Werte etabliert. Drei Jahre entsprechen ungefähr der Zeitspanne, nach der viele Betriebe ihre Hardware ohnehin erneuern oder ihr Konzept überdenken. Fünf Jahre bilden eher die realistische Lebensdauer solider Kassenhardware ab.

Meine Empfehlung: Rechne beides durch. Wenn ein System über drei Jahre günstiger, über fünf Jahre aber teurer ist, weißt Du sofort, dass Deine Entscheidung von Deiner Betriebsplanung abhängt und nicht von einer allgemeinen Wahrheit.

Ein Rechenbeispiel mit zwei Szenarien

Damit das nicht abstrakt bleibt, rechne ich Dir zwei typische Angebote durch. Ich nenne bewusst keine Anbieter, sondern nur die Kostenstruktur, die Du in der Praxis immer wieder findest.

Szenario A ist die günstige Anschaffung mit hohem Abo. Die Hardware kostet 400 Euro einmalig, die Einrichtung ist kostenlos. Dafür zahlst Du 79 Euro pro Monat für die Software, also 948 Euro im Jahr. Das ist das klassische Einstiegsangebot, das mit einem niedrigen Kaufpreis lockt.

Szenario B ist die teure Anschaffung mit niedrigem Abo. Hier zahlst Du 1.800 Euro einmalig für Hardware und Einrichtung, dafür aber nur 29 Euro pro Monat, also 348 Euro im Jahr. Das ist das Angebot, das auf dem Preisschild abschreckt, aber niedrige Fixkosten verspricht.

Ich habe absichtlich die Transaktionsgebühren aus diesem Beispiel herausgelassen, damit die Grundmechanik klar bleibt. In der Realität kommen sie noch obendrauf, und wie stark sie ins Gewicht fallen, erkläre ich Dir im Ratgeber zu den Transaktionsgebühren. Schauen wir uns an, wie sich die kumulierten Gesamtkosten über fünf Jahre entwickeln.

Die kumulierten Kosten Jahr für Jahr

ZeitpunktSzenario A (kumuliert)Szenario B (kumuliert)Differenz
Anschaffung (Jahr 0)400 €1.800 €B teurer um 1.400 €
Ende Jahr 11.348 €2.148 €B teurer um 800 €
Ende Jahr 22.296 €2.496 €B teurer um 200 €
Ende Jahr 33.244 €2.844 €A teurer um 400 €
Ende Jahr 44.192 €3.192 €A teurer um 1.000 €
Ende Jahr 55.140 €3.540 €A teurer um 1.600 €

Diese Tabelle ist der Kern des ganzen Ratgebers. Lies sie einmal von oben nach unten, dann verstehst Du, warum die Preisschild-Sicht in die Irre führt.

Der Moment, in dem sich die Rechnung dreht

Am Anfang, direkt bei der Anschaffung, sieht Szenario A großartig aus. Du sparst 1.400 Euro gegenüber Szenario B. Wenn Du nur auf diesen Startpunkt schaust, ist die Entscheidung scheinbar klar. Doch jeder Monat, der vergeht, frisst diesen Vorsprung auf. Das teurere Abo von Szenario A kostet Dich 50 Euro mehr pro Monat als das von Szenario B, also 600 Euro mehr pro Jahr.

Irgendwann ist der anfängliche Vorsprung von 1.400 Euro genau aufgebraucht. Diesen Punkt nennt man Break-Even, den Zeitpunkt der Kostengleichheit. In meinem Beispiel liegt er bei rund zweieinhalb Jahren. Rechnerisch: 1.400 Euro Anfangsdifferenz geteilt durch 600 Euro jährliche Ersparnis ergibt etwa 2,33 Jahre. Vor diesem Punkt ist Szenario A günstiger, nach diesem Punkt Szenario B.

Wenn Du das System also nur zwei Jahre betreiben willst, etwa weil Du ein Pop-up-Konzept fährst oder ohnehin bald umstrukturierst, ist die günstige Anschaffung die richtige Wahl. Planst Du dagegen langfristig, dreht sich die Rechnung eindeutig zugunsten der teureren Anschaffung. Nach fünf Jahren zahlst Du mit Szenario A satte 1.600 Euro mehr, obwohl es auf dem Preisschild um 1.400 Euro günstiger aussah. Diese Umkehr von 1.400 Euro Vorteil zu 1.600 Euro Nachteil ist der ganze Punkt.

Warum die Laufzeit die Entscheidung dreht

Der Grund für diese Umkehr ist mathematisch banal und trotzdem in der Praxis kaum präsent. Einmalkosten sind ein fester Block, der sich über die Zeit nicht verändert. Laufende Kosten dagegen wachsen linear mit jedem Monat weiter. Je länger die Laufzeit, desto stärker dominieren die laufenden Kosten das Gesamtbild und desto unwichtiger wird der einmalige Anschaffungspreis.

Das bedeutet für Dich eine einfache Faustregel: Je länger Du ein System nutzt, desto mehr solltest Du auf niedrige laufende Kosten achten und desto weniger auf den Kaufpreis. Bei kurzer Nutzung ist es umgekehrt. Wer diese Beziehung verinnerlicht, lässt sich von niedrigen Einstiegspreisen nicht mehr blenden und fragt bei jedem Angebot sofort nach den monatlichen Folgekosten.

Was in einer sauberen TCO-Rechnung sonst noch fehlen darf

Mein Rechenbeispiel ist bewusst vereinfacht, damit die Mechanik sichtbar wird. In der Realität gehören in eine ehrliche TCO-Rechnung noch ein paar Posten, die ich hier kurz nenne, damit Du sie nicht vergisst.

Da sind zunächst die Transaktionsgebühren, die bei kartenlastigen Betrieben schnell der größte laufende Posten überhaupt werden können. Dann gibt es Kosten für Ersatzhardware, denn ein Bondrucker oder ein Terminal hält selten fünf Jahre ohne Ausfall durch. Ein oft übersehener Posten sind Preiserhöhungen bei den Abogebühren, die die meisten Anbieter vertraglich vorbehalten. Und schließlich die Wechselkosten am Ende der Laufzeit, falls Du irgendwann Deine Daten in ein anderes System migrieren möchtest.

Ich empfehle Dir außerdem, bei den laufenden Kosten immer die tatsächlich benötigte Konfiguration zu rechnen und nicht das Basispaket. Zusätzliche Kassenplätze, Schnittstellen zur Buchhaltung oder erweiterte Auswertungen kosten bei vielen Anbietern extra und verschieben den Break-Even oft deutlich.

So nutzt Du den Rechner für Deine eigene Entscheidung

Genau für diese Rechnung habe ich den kostenlosen TCO-Rechner gebaut. Du gibst Deine Einmalkosten und Deine erwarteten laufenden Kosten ein und wählst die Laufzeit, und das Tool zeigt Dir die kumulierten Gesamtkosten sowie den Break-Even-Punkt an. Alles läuft direkt in Deinem Browser, es werden keine Daten übertragen und keine Anbieter empfohlen. Ich wollte ein neutrales Werkzeug, mit dem Du zwei konkrete Angebote gegeneinander stellen kannst, ohne dass Dir jemand etwas verkaufen will.

Mein Rat zum Schluss: Nimm zwei reale Angebote, die Dir vorliegen, und rechne sie über drei und über fünf Jahre durch. Schau Dir an, wo der Break-Even liegt, und gleiche ihn mit Deiner ehrlichen Betriebsplanung ab. Wenn Du weißt, wie lange Du das System voraussichtlich nutzt, triffst Du eine Entscheidung auf Basis der echten Gesamtkosten und nicht auf Basis der Zahl, die am lautesten auf dem Angebot steht. Genau das ist der Unterschied zwischen einer Bauchentscheidung und einer TCO-Entscheidung.

Quellen

  • https://www.ihk.de/
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Total_Cost_of_Ownership

Korrekturen oder bessere Quellen? Schreib an info@akara-solutions.de. Änderungen landen mit Datum auf /korrekturen.

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