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Ratgeber · grundlagen

Kassensystem-Kosten im Überblick: welche Posten wirklich anfallen

Ein Kassensystem kostet mehr als das Geraet: Hardware, Software-Abo, TSE, Wartung und Transaktionsgebühren. Welche Kostenbausteine es gibt, wie sie sich unterscheiden und warum die Summe über die Jahre zaehlt.

Mateusz Viola
Mateusz ViolaBetreiber & Tool-Entwickler
Veröffentlicht am ·Zuletzt geprüft am

Als ich angefangen habe, mich in die Preise von Kassensystemen einzuarbeiten, ist mir schnell aufgefallen, dass die Frage “Was kostet eine Kasse?” fast nie ehrlich beantwortet wird. Auf den Produktseiten steht meistens eine einzige Zahl, ein Gerätepreis oder ein Monatsbetrag, und der Rest verschwindet im Kleingedruckten. Genau deshalb habe ich den Rechner auf dieser Seite gebaut: Er zählt alle Posten zusammen, rechnet vollständig in Deinem Browser (es werden keine Daten irgendwohin gesendet) und nennt bewusst keine Anbieter, keine Marken und keine Empfehlungslinks. Es geht mir nur darum, dass Du am Ende die echte Zahl siehst.

In diesem Ratgeber gehe ich mit Dir alle Kostenbausteine durch, die bei einem Kassensystem anfallen können. Am Ende weißt Du, wonach Du fragen musst, wenn Dir jemand ein Angebot macht, und warum die günstigste Kasse im Regal selten die günstigste Kasse über die Jahre ist.

Warum ein einzelner Preis nichts aussagt

Ein Kassensystem ist kein Produkt, sondern ein Bündel aus Geräten, Software und Diensten. Manche Anbieter verstecken den Preis in der Hardware, manche im Monatsabo, manche in den Zahlungsgebühren. Das Ergebnis: Zwei Angebote, die auf den ersten Blick völlig unterschiedlich aussehen, können über fünf Jahre fast identisch teuer sein. Und zwei Angebote, die gleich aussehen, können sich um mehrere tausend Euro unterscheiden.

Deshalb ist der wichtigste Begriff in diesem ganzen Thema die sogenannten Gesamtbetriebskosten, im Englischen Total Cost of Ownership oder kurz TCO. Gemeint ist die Summe aller Kosten über die geplante Nutzungsdauer, üblicherweise drei bis fünf Jahre. Erst diese Summe ist vergleichbar. Ich gehe darauf am Schluss noch einmal genauer ein, und im Ratgeber Einmalkosten vs. laufende Kosten zerlege ich die zwei großen Blöcke im Detail.

Block 1: Die Einmalkosten (Anschaffung)

Das sind die Kosten, die Du einmal zahlst, meistens am Anfang. Sie tun beim Kauf weh, verteilen sich aber über die gesamte Nutzungsdauer und relativieren sich dadurch.

Hardware

Die Hardware ist das, was man anfassen kann. Je nach Betrieb brauchst Du davon mehr oder weniger:

  • Kasse oder Tablet: Das zentrale Gerät. Das kann eine klassische Touch-Kasse sein oder ein Tablet mit einer Halterung. Tablets sind günstiger in der Anschaffung, halten aber oft nicht so lange wie robuste Kassenterminals.
  • Bondrucker: Für den Kassenbon. Auch wenn digitale Belege zunehmen, verlangen viele Kundinnen und Kunden noch einen gedruckten Bon.
  • Kassenlade: Die Geldschublade. Wer bar kassiert, kommt kaum daran vorbei.
  • Kartenterminal: Für die Zahlung mit Karte, Smartphone oder Smartwatch. Hier gibt es Kauf- und Mietmodelle, und genau hier verstecken sich später auch die laufenden Transaktionsgebühren.

Wie viel Hardware Du brauchst, hängt stark von Deinem Betrieb ab. Ein kleiner Dienstleister mit einem Arbeitsplatz kommt vielleicht mit einem Tablet und einem Kartenterminal aus. Ein Restaurant mit Theke, mehreren Bediener-Stationen und Küchendrucker hat einen deutlich größeren Hardware-Block.

Einrichtung, Installation und Schulung

Diesen Posten übersehen viele. Eine Kasse muss eingerichtet werden: Artikel oder Speisekarte anlegen, Steuersätze hinterlegen, Bediener anlegen, Drucker verbinden. Manche Anbieter machen das kostenlos, manche berechnen es als einmalige Dienstleistung. Dazu kommt die Schulung Deines Teams. Auch das ist Zeit, und Zeit ist Geld, selbst wenn keine Rechnung dafür kommt, weil Dein Personal in dieser Zeit nicht produktiv ist.

Block 2: Die laufenden Kosten (Monat für Monat)

Das ist der Block, der über die Jahre den Unterschied macht und den ich am häufigsten unterschätzt sehe. Laufende Kosten wirken pro Monat harmlos, summieren sich aber gnadenlos.

Software-Lizenz oder Abo

Fast alle modernen Kassensysteme arbeiten heute mit einem monatlichen Abo für die Software. Darin steckt die eigentliche Kassen-Anwendung, oft samt Auswertungen, Warenwirtschaft und Updates. Die Spanne ist riesig: von wenigen Euro für eine einfache Einzellizenz bis zu dreistelligen Monatsbeträgen für mehrere Stationen mit vielen Zusatzfunktionen. Achte darauf, ob der Preis pro Kasse, pro Standort oder pauschal gilt, das ändert die Rechnung erheblich, sobald Du mehr als ein Gerät hast.

TSE (technische Sicherheitseinrichtung)

Die TSE ist in Deutschland Pflicht. Sie ist eine zertifizierte Komponente, die jede Buchung fälschungssicher signiert, und sie ist gesetzlich vorgeschrieben nach Paragraf 146a der Abgabenordnung. Ohne TSE darfst Du ein elektronisches Kassensystem nicht betreiben. Die TSE gibt es als kleine Hardware (zum Beispiel als USB- oder SD-Modul) oder als Cloud-Lösung, die monatlich abgerechnet wird. Manche Anbieter rechnen die TSE separat ab, andere haben sie im Abo eingepreist, sodass sie auf den ersten Blick unsichtbar ist. Frag also immer explizit nach. Ich habe der TSE einen eigenen Ratgeber gewidmet, weil hier viele Missverständnisse entstehen: TSE-Pflicht bei Kassensystemen.

Wartung und Support

Was passiert, wenn am Samstagabend der Bondrucker streikt? Support kostet, und die Frage ist nur, ob Du dafür ein monatliches Paket zahlst oder im Störungsfall pro Einsatz. Bei Cloud-Systemen ist der Software-Support oft im Abo enthalten, Hardware-Austausch aber nicht immer. Auch Software-Updates fallen in diesen Bereich. Kläre vorab, was abgedeckt ist und was extra kostet.

Transaktionsgebühren bei Kartenzahlung

Sobald Deine Kundschaft mit Karte zahlt, behält der Zahlungsdienstleister einen kleinen Prozentsatz jeder Transaktion ein, oft ergänzt um einen festen Betrag pro Zahlung. Das klingt nach wenig, ist aber der Posten, der bei hohem Kartenanteil am stärksten ins Gewicht fällt. Bei einem Betrieb mit vielen kleinen Kartenzahlungen kann die Summe der Gebühren über das Jahr die Hardware-Kosten überschreiten. Weil dieser Posten so oft falsch eingeschätzt wird, habe ich ihn separat erklärt: Transaktionsgebühren verstehen.

Alle Kostenbausteine auf einen Blick

Die folgende Tabelle fasst zusammen, was zu welchem Block gehört und wie der Posten typischerweise abgerechnet wird. Beträge nenne ich bewusst keine, weil sie je nach Betrieb und Anbieter zu stark schwanken. Genau dafür ist der Rechner da.

KostenbausteinBlockAbrechnungsartPflicht?
Kasse oder TabletEinmalkosteneinmalig (Kauf) oder Mieteja, Kern
BondruckerEinmalkosteneinmaligmeist ja
KassenladeEinmalkosteneinmaligbei Barzahlung
KartenterminalEinmalkosten oder MieteKauf oder monatlichbei Kartenzahlung
Einrichtung und InstallationEinmalkosteneinmaligoft
SchulungEinmalkosteneinmalig oder Eigenzeitempfohlen
Software-Lizenz / AboLaufende Kostenpro Monat (pro Kasse/Standort)ja
TSELaufende Kostenmonatlich oder einmaligja (gesetzlich)
Wartung und SupportLaufende Kostenpro Monat oder pro Einsatzempfohlen
TransaktionsgebührenLaufende Kostenpro Transaktion (Prozent + Fixbetrag)bei Kartenzahlung

Warum die Summe über 3 bis 5 Jahre entscheidet

Jetzt kommt der Punkt, der mir am wichtigsten ist. Stell Dir zwei Angebote vor. Beim ersten ist die Hardware sehr günstig, das Gerät kostet fast nichts, dafür ist das monatliche Abo hoch. Beim zweiten zahlst Du am Anfang deutlich mehr für gute Hardware, das Abo ist dafür schlank. Im ersten Monat wirkt Angebot eins klar günstiger. Über fünf Jahre gerechnet dreht sich das Bild oft komplett.

Ein einfaches Rechenbeispiel, ohne konkrete Marken: Angebot A kostet 200 Euro Hardware plus 60 Euro Abo im Monat. Angebot B kostet 1.200 Euro Hardware plus 25 Euro Abo im Monat. Nach einem Jahr liegt A bei 920 Euro und B bei 1.500 Euro, A sieht also günstiger aus. Nach fünf Jahren liegt A bei 3.800 Euro und B bei 2.700 Euro. Plötzlich ist das teure Gerät die günstigere Wahl. Genau diese Umkehr sieht man nur, wenn man alle Posten über die gesamte Nutzungsdauer aufaddiert.

Deshalb rechnet mein Tool auf der Startseite nicht mit einem Monatspreis, sondern mit der Gesamtsumme über einen Zeitraum, den Du selbst festlegst. Du trägst Deine Hardware, Dein Abo, Deine TSE und Deinen geschätzten Kartenumsatz ein, und der Rechner zeigt Dir die echte Zahl über drei, vier oder fünf Jahre. So kannst Du zwei Angebote fair vergleichen, statt Dich vom niedrigen Einstiegspreis blenden zu lassen.

Worauf Du bei jedem Angebot achten solltest

Wenn Du ein Angebot bekommst, geh die folgenden Fragen durch. Sie holen genau die Posten ans Licht, die gern verschwiegen werden:

  • Ist die TSE im Preis enthalten oder kommt sie extra dazu?
  • Gilt das Abo pro Kasse, pro Standort oder pauschal?
  • Was genau deckt der Support ab, und was kostet ein Vor-Ort-Einsatz?
  • Kaufe oder miete ich die Hardware, und wie lange läuft der Vertrag?
  • Wie hoch sind die Transaktionsgebühren, und gibt es eine feste Gebühr pro Zahlung zusätzlich zum Prozentsatz?
  • Was passiert nach Vertragsende mit meinen Daten und meiner Hardware?

Eine kurze Einordnung noch: Ich bin kein Steuerberater, und dieser Text ist keine Rechtsberatung. Für die konkreten Pflichten rund um Kassenführung und Aufzeichnung sind die Finanzverwaltung und Deine Steuerberatung die richtige Adresse. Was die technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen angeht, findest Du verlässliche Informationen bei Deiner IHK und beim Bundesfinanzministerium.

Fazit

Ein Kassensystem kostet fast immer mehr, als der beworbene Preis vermuten lässt, weil sich die Kosten auf viele Bausteine verteilen: Hardware und Einrichtung als Einmalkosten, dazu Software-Abo, TSE, Wartung und Transaktionsgebühren als laufende Kosten. Die einzelnen Zahlen sagen für sich genommen wenig aus. Erst die Summe über drei bis fünf Jahre macht Angebote vergleichbar und zeigt, ob die günstige Kasse wirklich günstig ist. Genau diese Summe rechnet der Rechner auf der Startseite für Dich aus, anbieterneutral und ohne dass Deine Daten Deinen Browser verlassen. Nimm Dir die zehn Minuten, trag Deine Posten ein, und Du gehst mit einer belastbaren Zahl in Dein nächstes Verkaufsgespräch.

Quellen

  • https://www.ihk.de/
  • https://www.bundesfinanzministerium.de/
  • https://www.gesetze-im-internet.de/ao_1977/__146a.html

Korrekturen oder bessere Quellen? Schreib an info@akara-solutions.de. Änderungen landen mit Datum auf /korrekturen.

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